Literatur und Buchempfehlungen

Peter Richter: Über das Trinken
(München, Goldmann, 2011)
Kein Buch speziell zum Thema Bier, sondern umfassender: Über das Trinken und Betrunkene, über die Nüchternheit und den Kater; über Alkohol, Rausch und Genuß. Über die trinkende Jugend und trinkende Politiker. Und über das Thema Prohibition, damals in den Vereinigten Staaten, und zukünftig in Europa.
Zitat: Und überall auf der Welt ist eine Flasche Bier das Beste was man trinken kann, wenn einem die Gastgeber mit dubiosen Schnäpsen ankommen und auch das Wasser nicht geheuer ist.
Gespräch mit dem Autor: Tip Berlin. Video zum Buch: Youtube

Traditionelle Brauereien in Deutschland.
Das ist der Untertitel eines Buches, auf das wir schon lange gewartet haben. Es heißt Lechner's Liste, Autor ist Georg Lechner, Braumeister und Chef des Biermuseums in Oelde, das Georg-Lechner-Museum heißt - nicht ohne Grund. Lechner kennt alle Brauereien, hat 220.000 Etiketten gesammelt und mit dem schönsten historischen Etikett die Beschreibung jeder Brauerei illustriert. Dazu sind alle notwendigen Details verzeichnet, incl. Inhaber, Ausstoß, Sorten und Auszeichnungen. Bei den Brauereigasthöfen ist stets ein Abriß der Speisekarte aufgeführt, und die genannten Spezialitäten (von Biergulasch und Bierkutscherschnitzel bis Landbier-Gratin) lassen die Präferenzen des Autors deutlich durchschimmern.
Insgesamt sind 761 Brauereien beschrieben, und Georg Lechner veröffentlicht auf seiner Homepage auch Korrekturen und Ergänzungen. Beim Blick auf Lechner's Liste zählten wir ca. 30 Brauereien, die seit Veröffentlichung des Buches geschlossen wurden. Sollte das Brauereisterben in diesem Tempo weitergehen (also 10 pro Jahr), wird ungefähr 2086 die letzte Traditionsbrauerei in Deutschland schließen. Für die zweite Auflage, die sicher folgen wird, muss Georg Lechner dann einige junge Traditionsbrauereien ergänzen; mit dem Vogelbräu hat er schon einen Anfang gemacht.

Oettinger Brauerei geschlossen?
Kalimedia in Lübeck, das sind Stefan Hormes und Silke Peuck, haben sich ums Bier verdient. Sie haben die erste Bierkarte veröffentlicht, eine großformatigen Landkarte, die alle deutschen Brauereien verzeichnet. Damit sind sie in eine Marktlücke gestoßen. AGB hat geprüft, ob diese Karte hält was sie verspricht - wir sehen durchaus noch Verbesserungspotential.
Oettingen in Bayern kennen ja nur die wenigsten, Oettinger Bier ist aber jedem ein Begriff. Auf der Bierkarte von Kalimedia ist das Städtchen tatsächlich ohne Brauerei verzeichnet. Wird hier der Wunschtraum vieler Konkurrenten wahr?

Oettingen als weißer Fleck auf der Bierkarte. Verzeichnet sind allerdings die Großbrauereien in Bopfingen (geschlossen) und in Wettelsheim (ca. 12000 hl). Die größeren Brauereien in Nördlingen (Anker, 20000 hl) und Fürst Wallerstein (55.000 hl) sind hier Kleinbrauereien.
In der Bierstadt Forchheim sind genau drei Brauereien eingezeichnet, die vierte - Eichhorn - fehlt. Je mehr man ins Detail geht, desto mehr Lücken findet man: Stephanus in Coesfeld, die Adlerbrauerei Hundersingen, Schmitz-Mönk in Anrath, Roppelt in Trossenfurt u.a.
Zwei systematische Fehler werden deutlich: Zum einen hat sich der Redakteur doch zu sehr auf dubiose Quellen verlassen. Wikipedia kann in diesem Bereich die Fachlektüre (Lechners Liste, Good Beer Guide Germany) nicht ersetzen. Zum anderen wurden Eichhorn, Roppelt und andere wohl irrtümlich aussortiert, weil es zwei namensgleiche Brauereien, denn Eichhorn in Dörfleins, Roppelt in Stiebarlimbach und Öttinger (sic!) in Mönchengladbach sind verzeichnet. Und auch längst geschlossene Brauereien kann man finden, z. B. Schuck-Jänisch in Kaiserslautern (auf der Karte als Freud'sche Fehlleistung Schluck-Jänisch)
Nicht zuverlässig sind auch die Kategorien, in denen die Brauereien klassifiziert wurden. In der Kategorie Brauerei mit Gasthof finden sich Kleinbrauereien ohne Gasthof (z. B. Artland, Grönwohld und Meusel). Umgekehrt sind einige Kleinbrauereien nur als Brauerei mit Gasthof verzeichnet, z. B. Krug (Breitenlesau), Hartmann (Würgau) und Wagner (Kemmern).
Großbrauerei?Die größte Brauerei, die in der Bierkarte als Kleinbrauerei kategorisiert wurde, ist die Brauerei von Fritz Gutmann in Titting, die mit ca. 180.000 hl zu den 100 größten Brauereien in Deutschland gehört. Umgekehrt ist Sachsens kleinste Traditionsbrauerei in Treuen (ca. 3.000 hl pro Jahr) als Großbrauerei klassifiziert. Erstaunlicherweise sind viele Gasthausbrauereien, für die offenbar überhaupt keine Informationen vorlagen, ersatzweise als Großbrauerei klassifiziert worden. So steht z. B. Veischeder Landbier gleichwertig direkt neben Krombacher, und die Museumsbrauerei Wippra in Sachsen-Anhalt erscheint so groß wie die Hasseröder Brauerei.
Außer in Oettingen und Titting wird die Bierkarte sicher auch in Köln kritisch betrachtet. Das Sanctum der Kölschen Trinker, der Ausschank von Päffgen in der Friesenstraße ist in der Karte tatsächlich mit „Pfaffen" bezeichnet. Das allerdings ist der Name der ärgsten Konkurrenz - die steht nun doppelt drin.
Was ist positiv zu vermerken? Die Karte hat ein klares Bild, im Hintergrund ein dezentes Relief; nicht mehr Flüsse, Straßen und Grenzen als notwendig und eine gut lesbare Schrift. Einige Ungenauigkeiten in der Beschriftung kann der Laie verschmerzen, sie stechen nur dem Fachmann ins Auge, z. B. Plaue (kursiv), Angermünde (Größe) oder Stadtlohn (fehlt).
Was kann man verbessern? Dringend notwendig für die nächste Auflange ist eine redaktionelle Überarbeitung mit Fehlerkorrektur. Statt der verwendeten, nur schwierig zu bestimmenden Kategorien wäre z. B. eine Einteilung in traditionelle Brauereien und neue gegründete (Gast)-Hausbrauereien hilfreich. Bei den traditionellen Brauereien könnten die 100 oder 200 größten herausgestellt werden. Eine weitere Option: Das große Format wird nur zur Hälfte von der Karte ausgefüllt. Die Adresslisten, die das Blatt füllen, finden auch auf der Rückseite Platz. Die Angabe der Homepage kann man sich doch sparen, wozu gibt es denn Google?

Das unverzichtbare Standardwerk von Stefan Mack: Fränkische Brauereikarte (Nürnberg, 1989). Neuauflage als "Neue Fränkische Brauereikarte" 1996. Kein Buch informiert detaillierter über die fränkischen Brauereien. Die einzige Quelle, die zuverlässig Auskunft über den Bierausstoß der kleinen Brauereien gibt, einschließlich der Angaben, wo das Bier erhältlich ist und wann im Ort Kirchweih gefeiert wird. Leider vergriffen, nur noch bei ZVAB zu Liebhaberpreisen von ca. 40 € erhältlich. Eine neue Ausgabe ist leider nicht in Sicht.

Das Standardwerk von Franz Dröge und Thomas Krämer-Badoni: Die Kneipe, Zur Soziologie einer Kulturform (Frankfurt, Suhrkamp, 1987). Auszug aus dem Inhalt: Szenekneipe, Kneipe & Alkoholismus, Absatzstrategien der Brauereien, Trinken, Reden, Spielen & Feiern. Enthält die erste fundierte Analyse zum Thema "Wie wird man Stammgast?"

Johannes Schulters und Martin Knab, Braumeister aus Bamberg, geben in Bierologie (Nürnberg, Hans Carl, 1999) eine Einführung in die Geschmackswelt des Bieres. Im Kern geht es darum, dem Anfänger die notwendigen Grundlagen zu vermitteln, um den Geschmack eines Bieres zu beschreiben. Dazu gehören Hinweise zur Sensorik und zur Terminologie ebenso wie praktische Beispiele zum Austesten des eigenen Geschmacks. Für den Laien interessant sind die Erläuterungen zur Technik, z. B. zur Abfüllung. Wenig erfährt man leider über die Frage, wie moderne Technik, insbesondere die Filterung, den Geschmack des Bieres verändert.

Jürgen Roth und Michael Rudolf haben viel getestet, und skrupellose Urteile gefällt. Sehr zu empfehlen und nachzulesen in: Bier! Das Lexikon (Leipzig, Reclam, 1997). Gebraucht noch erhältlich bei amazon und ZVAB.
Die Fortsetzung trägt den Titel: Bier! Das neue Lexikon. Dem Deutschen Brauerbund hat's nicht gefallen. Uns gefallen speziell die Lobpreisungen wie "Diese Gerstenkörner sind nicht umsonst gestorben".

2005 hat der inzwischen verstorbene Michael Rudolf seine Bierkritiken neu zusammengestellt, aktualisiert und wieder veröffentlicht (2000 Biere, Münster, Oktober Verlag). Einige Kritiken fallen nun milder aus, so hieß es 1997 über Veltins noch "für Pilsfreunde nicht empfehlenswert". 2005 schreibt er, nach einer ausführliche Würdigung der Tätigkeit von Susanne Veltins, über "eines der besten Pilsener der Welt". Andere Biere schneiden nicht mehr so gut ab, z. B. Bitburger. Hilfreich sind die Bewertungen mit Daumen hoch und Daumen runter. Wer keine Kritik lesen will oder vertragen kann, kann übrigens auf Rudolfs "Die 100 besten Biere der Welt" ausweichen.

Ausführlich über die Risiken von Alkohol im Straßenverkehr informiert: Werner oder was? (Kiel, Semmel Verlag, 1981). Zugleich singt der Autor und Zeichner Brösel das Hohelied vom Bügelverschluß. Noch immer nicht geklärt ist die Frage, welches Geräusch in zuverlässiger Indikator für gutes Bier ist, Plopp oder doch eher Fump?
Pils
| Waldhaus | 4,38 |
| Huppendorfer |
4,35 |
| Augustiner | 4,31 |
| Wagner (Kemmern) |
4,17 |
| Stettfelder | 4,08 |
| Klosterbräu Gold |
4,08 |
| Rothaus |
4,06 |
| Einbecker Brauherren | 4,04 |
| Krug-Bräu | 3,97 |
| Specht | 3,90 |
Stand Dezember 2011 Details
Hefeweißbier Hell
| Weihenstephan | 4,23 |
| Andechser | 4,18 |
| Rothaus | 4,16 |
| Ayinger | 4,13 |
| Simon (Lauf) | 4,09 |
| HB Traunstein | 4,05 |
| Paulaner | 3,94 |
| Wagner (Merkendorf) | 3,94 |
| Schweiger | 3,92 |
| Erdinger Ur-Weiße | 3,90 |
Stand August 2010 Details
Kellerbier
|
Wagner (Kemmern) ungespundetes Lagerbier |
4,16 |
| Löwenbräu Buttenheim | 3,83 |
| Mönchsambacher | 3,75 |
| Veldensteiner Zwickl | 3,62 |
| Liebhards Kellerbier | 3,56 |
| Alpirsbacher naturtrüb | 3,54 |
| Schinner Bernstein | 3,45 |
| St. Georgen Bräu | 3,44 |
| Hartmann Felsenkeller | 3,42 |
| Hacker-Pschorr 1417 | 3,42 |
Stand Februar 2010 Details
Dunkles
| Zötler Korbinian |
4,21 |
| Meister Vollbier |
4,16 |
| Krug-Bräu Lager |
4,16 |
| Ammerndorfer | 4,14 |
| Andechser Dunkel |
4,01 |
| Reutberger Export |
3,89 |
| Nothelfer Urdunkel |
3,88 |
|
Held Altfränkisches Bauernbier |
3,83 |
| Ettaler Kloster |
3,71 |
| Weihenstephan Tradition |
3,71 |
Stand Juli 2011 Details
Helles
| Hofmühl Hell | 3,96 |
| Augustiner Lager | 3,95 |
| Augustiner Edelstoff | 3,89 |
| Löwenbräu Buttenheim | 3,86 |
| Ayinger Jahrhundert-Bier | 3,84 |
| Ettaler Kloster Hell | 3,79 |
| Tegernseer Jubiläums Export | 3,75 |
| Reutberger Export Hell | 3,73 |
| Fässla Lagerbier | 3,72 |
| Aecht Schlenkerla Helles Lagerbier | 3,72 |
Stand November 2011 Details
Dunkles Weizen
| Ayinger Ur-Weiße | 4,22 |
| Hacker-Pschorr | 4,17 |
| Hirsch | 3,97 |
| Gutmann |
3,90 |
| Paulaner | 3,89 |
| Weihenstephaner | 3,89 |
| Maxlrainer Schloß | 3,88 |
| Meckatzer | 3,74 |
| Löwenbräu | 3,69 |
| Lammsbräu |
3,69 |
Stand Juli 2010 Details
Alt
| Füchschen | 4,71 |
| Schumacher |
4,63 |
| Uerige | 4,38 |
| Bolten Ur-Alt | 4,35 |
| Schlüssel | 4,24 |
Stand Februar 2011 Details
Bockbier
| Hartmann Bock Dunkel | 3,97 |
| Ahornberger Maibock | 3,96 |
| Zwickauer Bock Dunkel | 3,84 |
| Kneitinger Bock | 3,70 |
| Hoepfner Maibock | 3,61 |
Stand Mai 2010 Details
Schwarzbier
| Schwarze Anna | 4,06 |
| Klosterbräu Schwärzla | 3,98 |
| Köstritzer | 3,98 |
| Aiblinger | 3,84 |
| Meusel Lichtensteiner | 3,77 |
Stand August 2011 Details
Kristallweizen
| Weihenstephaner | 3,94 |
| Maisel's | 3,83 |
| Schneider | 3,77 |
| Lammsbräu | 3,65 |
| Julius Echter | 3,55 |
Stand April 2010 Details
Kölsch
| Pfaffen | 4,74 |
| Päffgen | 4,59 |
| Mühlen | 4,02 |
| Früh | 3,27 |
| Schreckenskammer | 3,19 |
Stand September 2011 Details
Doppelbock
|
Weihenstephan Korbinian |
4,33 |
| Augustiner Maximator | 4,27 |
|
Ayinger Celebrator |
4,23 |
| Hacker-Pschorr Animator | 4,05 |
|
Ganter Wodan |
4,04 |
Stand Mai 2010 Details
